Adventlicher Brauch

 

 

Maria auf Herbergssuche in Peißenberg

 

Die Trägerinnen des Frauenbunds: Sie bringen die Marienfigur von Haus zu Haus.
Foto: Maria Steber/pba.

 

Jedes Jahr im Advent lebt in Peißenberg ein alter Brauch auf:

die Herbergssuche von Maria und Josef, genannt auch „Frauentragen“.

Organisator ist der örtliche Frauenbund. Bei einem Besuch in der Pfarreiengemeinschaft

haben wir uns diesen adventlichen Brauch mal genauer angeschaut.

 

Behutsam klappt Katharina Hänel die bestickten Enden der weißen Spitzentischdecke zur Seite. Eine geschnitzte Madonna aus Holz wird unter der Decke im rustikalen Weidekorb sichtbar, den sie sogleich in die Hände von Hanni Franz übergibt. Mit einem Spruch und Gebet begrüßen die beiden Frauen die Marienstatue, während Frau Franz die Figur neben den Adventskranz in der adventlich geschmückten Wohnküche platziert. „Wenn wir Trägerinnen vom Frauenbund die Marienfigur in ein neues Haus bringen, sprechen wir immer zuerst den Mariengruß, der die Herbergssuche thematisiert. Wie damals Maria und Josef in Betlehem, so bittet heute in Peißenberg Maria in Gestalt der Madonna um Unterkunft bei den Menschen“, sagt Frau Hänel, die als Mitglied im örtlichen Frauenbund für die Organisation des adventlichen Brauchs zuständig ist. Bei Familie Franz macht Maria schon seit vielen Jahren Station.

 

Die Tradition, eine Marienfigur in der Adventszeit von Haus zu Haus zu tragen, besteht in Peißenberg seit über fünfzehn Jahren. Die Wurzeln des Brauchs lägen aber schon viel weiter zurück, weiß Maria Staltmayr, 79 Jahre alt. Schon als Kind habe sie den Brauch kennen gelernt, „in den 1950er Jahren sind wir als Mädchen unterwegs gewesen, danach ist der Brauch hier im Ort langsam eingeschlafen“, erzählt Frau Staltmayr, die 1998 an der Neubelebung der alten Tradition in Peißenberg maßgeblich beteiligt war. 

 

Schon seit vielen Jahren macht Maria auch bei Familie Franz Station. Die Figur wird direkt am Esstisch platziert. Foto: Maria Steber / pba.  

Schon seit vielen Jahren macht Maria auch bei Familie Franz Station.
Die Figur wird direkt am Esstisch platziert. Foto: Maria Steber / pba.

Die Figur wird heute von sieben Trägerinnen per Auto und nicht mehr wie damals zu Fuß abgeholt und gebracht. An Aktualität habe der Brauch dennoch nichts eingebüßt, findet Maria Staltmayr. „Sich Zeit nehmen zum Gebet, zur Ruhe kommen, das ist gerade in der heutigen, oft so schnellen und stressigen Zeit wichtig.“ Viele der Frauen, die Maria einen oder mehrere Tage beherbergen, würden dies als bewusstes Zusammenkommen zum Beten verstehen, überdies als Treffen, an dem sie Gemeinschaft spüren, erklärt Hänel.

 

Wie die Anwesenheit von Maria im Haus begangen wird, bleibt den Familien selbst überlassen: „Bei uns freut sich die ganze Familie, wenn dieser besondere Gast, die Muttergottes, bei uns im Haus schläft“, gibt Hanni Franz wieder. Sogar ihre vier Kinder würden dann immer wieder zur Madonna gehen, vor ihr sitzen und beten. „Wir tanken da Kraft fürs ganze Jahr“, sagt sie kurz. Den Grund, warum gerade Maria als Kraftgeber fungiert, kann sie nur aus persönlicher Erfahrung heraus nennen: „Für mich ist Maria wie eine enge Vertraute. Sie war eine Frau, die genauso Probleme hatte, wie wir sie heute haben. Sie war herausgefordert vom Leben, da besteht einfach eine enge Verbundenheit“, sagt Frau Franz.

 

Die Besuche, die die Marienfigur in den Häusern im Laufe der Adventszeit macht, sind genau durchgeplant. „Beginn ist immer am 8. Dezember, da wird Maria in einem Gottesdienst ausgesandt. Kurz vor Weihnachten kehrt die Figur dann zu uns zurück“, erklärt die Organisatorin. Wohin genau? Der Blick in den Wohnzimmerschrank von Frau Staltmayr gibt Antwort. Neben dem Jesuskind in der Krippe klafft dort in der Adventszeit eine große Lücke.

 

Von Maria Steber

 

 

 

 

 

 

 




 

 


Faschingsnachmittag am 4.2.


im Gasthof “Zur Post”


hier klicken: Fotos Faschingsnachmittag 2015



 

Start ins Jubiläumsjahr

Mit einer Fackelwanderung zur Knappenkapelle startete der Frauenbund St. Johann Peißenberg in sein Jubiläumsjahr. 100 Jahre Vereinsbeständigkeit sind für die Frauen Anlass, das ganze Jahr über Veranstaltungen anzubieten. Unter dem Thema „Lebensstoffe- Glaubensstoffe“ beschäftigt sich der Frauenbund bei jeder Veranstaltung mit einem Stück Stoff und verbindet diesen mit dem Glauben und dem Frauenleben. Die Fackelwanderung zu Beginn des Jahres hatte die Taufe und den darin enthaltenen Glaubensstoff zum Inhalt. Bei sternenklarer Nacht marschierten die Frauen zur Kapelle und erinnerten sich an das Versprechen der Taufe Lichtträger für die Welt geworden zu sein. In der Kapelle betrachteten die Frauen den Stoff des Taufkleides und dachten darüber nach, welche Auswirkung die Taufe für das Leben haben kann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Taufspender das Kleid mit dem Spruch überreicht: „Mit der Taufe bist zu neu geschaffen, Du hast Christus angezogen, Du bist in seiner Würde gleich“. Mit dem Entzünden einer „100“ gedachten die Frauen am Ende der unzähligen mutigen, beharrlichen und engagierten Frauen, die den Frauenbund über die vielen Jahre getragen haben. Die nächste Veranstaltung findet am Mittwoch, den 4. Februar um 14.00 Uhr im Gasthaus zur Post statt. Bei der Faschingsveranstaltung werden die Frauen sich unter dem Motto „anno dazumal“ an die lustigen, vergangenen Jahre erinnern.


 

 

 

Der Frauenbund St. Johann feiert 100 Jahre und ist darüber sehr dankbar.

 

Die Frauengemeinschaft hat die Kraft, die Beharrlichkeit und Beständigkeit über 100 Jahre gezeigt und es sieht so aus, als würde sie sich so schnell auch nicht auflösen.

 

Wir Frauen glauben, dass dies alles ohne Gottes Kraft und Geist und ohne das Vertrauen, dass Gott fügt, was dem Leben dient nicht gelungen wäre und auch in Zukunft nicht gelingen wird. Wir haben deshalb bewusst die traditionelle Fackelwanderung als passenden Auftakt für unser Jahr empfunden, um gleich zu Anfang unsere Blickrichtung auf Christus zu lenken und unsere Verbindung zu Christus besonders zu vertiefen. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Thema „Lebensstoffe – Glaubensstoffe“. Mit jeder Veranstaltung betrachten wir einen Stoff unseres Lebens näher und verbinden ihn mit dem Glauben. Die Impulse werden an dieser Stellwand veröffentlicht und finden im Laufe des Jahres Platz an einem blauen Band, das im Pfarrheim aufgehängt wurde.

 

Für den Start ins Jubiläumjahr lag es für uns Frauen auf der Hand, die Taufe – in der wir die Verbindung zu Christus im Ritual besonders vertiefen/herstellen, den Stoff des Taufkleides aufzugreifen.

 

Und wie passt das Thema zur Fackelwanderung? Bei der Taufe wird unsere Taufkerze am Osterlicht entzündet. Wer mit Christus in Verbindung tritt, Christus als Vorbild für sein eigenes Handeln und Leben verinnerlicht, erstrahlt. Spürt göttliche Kraft in sich. Bekommt Lichtkraft und wird andere Menschen durch seine Wärme und sein Leuchten stärken und erhellen können.

 

Mit den Fackeln erinnerten sich die Frauen an das Versprechen.

 

DIE TAUFE

 

Bei der Taufe legt der Pfarrer ein weißes Kleid über das Kind, oder es wird ein weißes Kleid übergeben, damit der Täufling es anziehen kann. Dabei spricht der Pfarrer den Text: das weiße Gewand ist Zeichen dafür, dass Du in der Taufe neu geschaffen wurdest und –wie die Schrift sagt – Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben.

 

DER STOFF

 

Wir haben da vorne ein Stück Feinripp aufgehängt. Weich, griffig, elastisch und doch stabil. Unspektakulär, schlicht. Ein praktischer Unterwäschestoff. Viel getragen, durch unzählige Wäschen gegangen, strapazierfähig. Kein Gewebe, daß durch Verkreuzung von Längs- und Querfäden besteht, sondern Maschenware. Dehnbar, anpassungsfähig, anschmiegsam. Aus weißer Baumwolle, pflegeleichtes praktisches „Darunter“. Für die meisten ist es peinlich, darin gesehen zu werden. Manche Frauen sehen es an ihren Männern, Vätern, Opas nicht gern, weil es eigentlich nicht schön und schier unverwüstlich ist. Die Jugend sieht darin einen modischen Akzent, der „Unterwäschelook“ war lange Zeit in.

 

GEDANKEN ZUM STOFF UND ZUM TEXT:

 

Mit der Taufe haben wir Christus angezogen. Ein knapper schlichter Text. Die Unterschiede sind aufgehoben, wir sind eins mit Christus, gleich in dieser Würde. Neu geschaffen, in neuem Gewand. Christus hautnah. Würde für das ewige Leben.

 

Für manche mag es befremdlich sein, zu diesem Text und zum Thema Taufe, einen Unterwäschestoff auszusuchen. Sicher hätten Sie mit der Taufe den feinen Batist eines Kindertaufkleides oder den Stoff einer Albe in Verbindung gebracht oder passender gefunden. Vielleicht stimmen Sie mit uns überein, dass der Baumwollfeinripp doch besser passt, wenn wir einen Gedanken weiter gehen:

 

„Bewahre diese Würde für das ewige Leben“, heißt es bei der Übergabe des Taufkleides in der katholischen Kirche. Wie kümmere ich mich um diese „zweite Haut“, Christus, der mir in meiner Taufe angezogen wurde, den ich vielleicht als Erwachsener angezogen habe? Trage ich dieses Gewand täglich? Oder bewahre ich es im Schrank oder in einer Schachtel auf, so wie man Kindertaufkleidchen wegräumt, die dann auf das nächste Kind, die Enkel warten? Ist dieses Christusgewand wie eine Albe, die nur diejenigen tragen, die im Gottesdienst eine Rolle übernehmen? Ist es ein Sonntagsgewand, das nur einmal in der Woche, oder eigentlich nur gelegentlich, wenn ich halt mal Lust und Zeit für einen Gottesdienst habe, angezogen wird?

 

Unterwäsche trage ich täglich, für die meisten nicht sichtbar, aber nicht ohne Wirkung auf mich. Christus anlegen, tagtäglich als „Darunter“ für meine sonstige Gewandung, als das, was meiner Haut am nächsten ist, was mich schützt und mir Sicherheit gibt.

 

Auf den meisten Kreuzesdarstellungen wird Christus das leinene Tuch, die „Unterwäsche“ gelassen. In der Taufe soll uns das Gewand Zeichen sein, dass wir in Christus „hineingeschlüpft“ sind, dass wir ab jetzt Christus tragen als unser Designer-Label.




Frauentragen im Advent


Im Anschluss an die Adventsfeier

des Frauenbundes St. Johann

am 5.12.2104 im Pfarrheim St. Johann,

wird heuer die Marienfigur gesegnet

und dann durch den Pfarrer ausgesendet.

 

Die Figur gehört dem Frauenbund St. Johann.

Jeder, also auch Nichtmitglieder, darf die Figur

zu sich einladen und der Maria

so eine Nacht Herberge bieten.

 

Zwei Trägerinnen des Frauenbundes

tragen die Maria mit einem Gebet und einer Laterne

von Herberge zu Herberge.

 

Jeder, der die Marienfigur zu sich einlädt,

bekommt die Figur von den Überbringern

an der Tür überreicht.

 

Er darf dann selbst bestimmen, ob er die Maria einfach nur an einem besonderen Ort

im Haus/Wohnung aufstellt, oder daraus eine kleine Feier gestaltet.

 

Wer die Marienfigur zu sich einladen möchte, kann sich bei Katharina Hänel 08803/489969 melden.





Mittwoch, 12.11.2014, 20 Uhr




Vortrag  der Friedenspädagogin und Buchautorin
Dr. Dr. h.c. Frau Sumaya Farhat-Naser:
Im Schatten des Feigenbaums.


Leben im heutigen Palästina - Kraft und Hoffnung suchen


20:00 Uhr

Tiefstollenhalle
Tiefstollen 5
82380 Peißenberg


Der Konflikt in Israel hat mit den aktuellen militärischen Auseinandersetzungen im Gaza-Gebiet einen neuen Höhepunkt erreicht und die Hoffnung auf Frieden für Palästina schwinden lassen. Gibt es noch Hoffnung für eine friedvolle Lösung?

Die christlich-palästinensische Erfolgsautorin Sumaya Farhat-Naser beschreibt in ihren Tagebüchern die Situation in Israel. Wie ein roter Faden ziehen sich die Einschränkungen und Widrigkeiten des Alltags unter Militärbesatzung durch ihre Aufzeichnungen. Dem bitteren Befund zum Trotz lässt sie sich nicht entmutigen. In Schulen und Frauengruppen lehrt sie mit großem Engagement gewaltfreie Kommunikation und den Umgang mit Konflikten, unermüdlich kämpft sie gegen Hoffnungslosigkeit und Resignation. Dabei freut sie sich selbst über jeden Fortschritt und macht auf positive gesellschaftliche Entwicklungen „von unten“ aufmerksam. Sie schafft es immer wieder, dass Menschen sich begegnen und konstruktiv mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt umgehen.

Sumaya Farhat-Naser, geboren 1948 in Birzeit bei Ramallah, studierte Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. 1982 ging sie zurück nach Birzeit an die dortige Universität und gründete zahlreiche Organisationen, u.a. Women Waging Peace an der Harvard-Universität und Global Fund for Women in San Francisco. Farhat-Naser erhielt im Laufe ihrer Tätigkeit unzählige Auszeichnungen, unter anderem den Augsburger Friedenspreis und den AMOS-Preis für Zivilcourage in Religion, Kirchen und Gesellschaft. Frau Farhat-Naser beeindruckte nicht zuletzt wegen ihrer charismatischen Ausstrahlung schon viele Zuhörer auf der ganzen Welt.

Sie ist Autorin von:
„Thymian und Steine – Autobiographie“, 1995
„Verwurzelt im Land der Olivenbäume“, 2002
„Disteln im Weinberg – Tagebuch aus Palästina“, 2007

Eintritt: 8 €, KDFB-Mitglieder 6 €, Schüler/-innen 4 €